15 wichtige Fakten über Dante und die Göttliche Komödie

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Der 25. März ist Dantedì, Dantetag! Alle, die sich für die italienische Sprache und Kultur interessieren, sollten Dante Alighieri kennen! Dieses Datum wurde gewählt, weil es laut den Historikern das Datum des Beginns von Dantes Reise ist. Außerdem ist das 2021 ein besonderes Jahr, weil genau 700 Jahre seit Dantes Tod vergangen sind. Aber warum sind der italienischen Autor Dante Alighieri und seine Göttliche Komödie so wichtig? Lass uns es zusammen erfahren!

Dante Alighieri

Domenico di Michelino, Porträt von Dante und die Göttliche Komödie – © Kotroz

Dante Alighieri (* 1265, Florenz – † 1321, Ravenna) war ein italienischer Schriftsteller, Dichter und Politiker und gilt als Vater der italienischen Sprache. Seinen Ruhm verdankt er seinem Werk, der Göttlichen Komödie (it. La Divina Commedia), die allgemein als das größte in italienischer Sprache geschriebene Werk und eines der größten Meisterwerke der Weltliteratur gilt. Sein Werk hat unsere moderne Sicht auf das Jenseits geprägt und in den folgenden Jahren unzählige Autoren und Künstler inspiriert. 

1. Dantes Jenseits: Inferno, Purgatorio und Paradiso

dante

In der Göttlichen Komödie unternimmt Dante eine Reise durch die Hölle (it. Inferno), hinunter zu Luzifer und dann hinauf auf den Berg des Fegefeuers (it. Purgatorio) und schließlich hoch in das Paradies (it. Paradiso). 

In seiner Vorstellung befindet sich der Eingang zur Hölle gleich unterhalb von Jerusalem. Die Hölle wird als ein Abgrund dargestellt, der bis zum Mittelpunkt der Erde reicht, wo Luzifer residiert. Die Hölle wurde durch den Sturz Luzifers aus dem Himmel selbst gebildet. Auf der anderen Seite der Erde erhebt sich der Berg des Fegefeuers, der ein Spiegelbild der Hölle darstellt, und der zum Paradies führt, das aus den 9 Himmeln und dem Empireo, wo Gott wohnt, gebildet wird.

2. Die Struktur: 3 Cantiche, 100 Canti und andere wichtigen Zahlen

Schauen wir uns gemeinsam die Struktur der göttlichen Komödie an. Erstens solltest du wissen, dass es eine Dichtung ist: es ist alles in Versen geschrieben. 

  • Das Werk ist in 3 Bücher unterteilt, die Cantiche genannt werden und den drei jenseitlichen Reichen entsprechen: Inferno, Purgatorio und Paradiso.
  • Jede Cantica besteht aus 33 Gesängen (it. Canti) außer Inferno, die einen einleitenden Gesang zusätzlich hat. Insgesamt gibt es also 100 Gesänge.
  • Alle Gesänge bestehen aus Terzinen (Formschema aus drei Versen) mit verketteten Reimen (ABA BCB CDC DED …).
  • Jeder Vers besteht aus 11 Silben (it. endecasillabo). 
  • Das gesamte Werk hat insgesamt 14.233 Verse.

3 Cantiche

Inferno, Purgatorio, Paradiso

100 Gesänge

33 Gesänge für jede Cantica + 1 Einführungsgesangt

14.233 Versi

Die Gesamtanzahl der Verse

11 Silben

Jeder Vers besteht aus 11 Silben

3. Die symbolische Zahl Drei

Die Zahl 3 (und seine Vielfache) ist eine wiederkehrende Zahl in der Commedia (3 Cantiche, 33 Gesänge, 9 Höllenkreise, 3 Wildtiere, 3 Führer…) und hat eine tiefe Bedeutung: es repräsentiert die göttliche Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiligen Geist).

4. Dante als Vater der italienischen Sprache

Dante gilt als der Vater der italienischen Sprache. Aber warum? Im vierzehnten Jahrhundert gab es mehrere Sprachen in Italien: die Sprache der Kultur und Literatur war Latein, während das Volk verschiedene Volkssprachen sprach, die noch keine einheitliche Sprache bildeten. Deswegen reden Historiker von italienischen Volkssprachen (it. volgari italiani) und noch nicht von einer italienischen Sprache (it. lingua italiana).

Dante hat etwas Revolutionäres gemacht: statt sein Werk auf Latein zu schreiben, schrieb er es in seiner Muttersprache, der florentinischen VolksspracheMit seinem Werk verhalf er einer der italienischen Volkssprachen zu solchem Ansehen, dass sie sich von allen anderen abhob. Damit legte er den ersten Grundstein für die Vereinheitlichung der italienischen Nationalsprache auf Basis der Florentinischen

5. Die Commedia war sofort ein Bestseller

Dadurch, dass Dantes Komödie in der florentinischen Volkssprache geschrieben wurde, hatte sie einen Erfolg, der über den üblichen Kreis der Intellektuellen und Literaten, die Bücher lasen, hinausging. Die Komödie war ein Werk, das auch bei Menschen mit geringerer Bildung und Kultur Anklang fand (Es wurde zum Beispiel auf den Plätzen vorgelesen) und hatte sofort einen riesigen Erfolg, vergleichbar mit einem Bestseller heutzutage!

6. "Divina" wurde später hinzugefügt

Eigentlich nannte Dante sein Werk einfach Commedia, um anzudeuten, dass es nicht in höfischen Sprache geschrieben war und ein Happy End hatte. Es war Boccaccio (ebenfalls ein bedeutender Schriftsteller der Zeit) einige Jahre später, der das Werk Divina nannte.

7. Fast 900 Charaktere

Wen trifft Dante auf seiner Reise? Sehr viele Charaktere, und zwar fast 900! Und ganz verschiedene auch, von Helden der Antike, biblische oder fiktive Charaktere bis zu Dantes Zeitgenossen. Und zwar meistens in der Hölle! Dante war schließlich auch ein Politiker und durch sein Werk konnte er die damalige politische Lage und die Handlung der Politiker kritisieren und ihnen den „rechten“ Weg zeigen.

8. Nel mezzo del cammin di nostra vita

Den Anfang der Göttlichen Komödie kennt jeder Italiener: 

Nel mezzo del cammin di nostra vita
mi ritrovai per una selva oscura,
ché la diritta via era smarrita

Es war in unseres Lebensweges Mitte,
Als ich mich fand in einem dunklen Walde;
Denn abgeirrt war ich vom rechten Wege

Was bedeutet das? Dante ist ein Mann mittleren Alters und findet sich in einem dunklen Wald wieder, weil er vom rechten Weg abgekommen ist. Dieser Wald, der die Sünde darstellt, verhindert, dass der Mensch Hoffnung (insbesondere im christlichen Sinne) wahrnehmen kann. Er hat sozusagen eine „Midlife-Crisis“. Wird er es schaffen, aus dieser Dunkelheit herauszukommen?

9. Die drei Wildtiere: Luchs, Löwe und Wölfin

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Joseph Anton Koch, Dante findet die drei Bestien und Virgil im Wald – © Sailko

Dante befindet sich im dunklen Wald und möchte hoch zum Berg der Tugend, als sich drei Tiere ihm in den Weg stellen: ein Luchs (it. lonza, heutzutage lince) Symbol der Wollust, ein Löwe (it. leone), der für Hochmut steht und eine Wölfin (it. lupa) Symbol der Habgier. Die drei Tiere repräsentieren die drei Hauptsünden, die den Weg zur Erlösung behindern. Dante kann nicht durch und muss wieder in den dunklen Wald zurück, wo er auf den Dichter Virgil trifft. Virgil wird ihm dann auf seiner Reise durch das Jenseits führen. 

10. Lasciate ogni speranza, voi che entrate

Gebt alle Hoffnung auf, die ihr hier eintretet.

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Dieser Satz befindet sich am Eingang der Hölle und ist auch, zusammen mit dem Anfang der Komödie, einer der berühmteste Sätze des Werkes. Manchmal kann man ihn heute als scherzhafte Anspielung an Eingängen, Türen und auf Fußmatten lesen.

11. Das Contrappasso-Gesetz

Die Sünder der Hölle werden für die Ewigkeit nach dem Contrappasso-Gesetz (Legge del contrappasso) bestraft: Ihre Strafe passt zu ihrer Sünde, und zwar kann sie ihr ähneln oder das Gegenteil sein. Dieses Gesetz repräsentiert die göttliche Gerechtigkeit.

12. Die neun Höllenkreise

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Sandro Botticelli, Höllenkarte

Die Hölle ist sicherlich das beeindruckendste der drei Reiche. Sie besteht aus 9 konzentrisch angeordneten Kreisen, die eine allmähliche Zunahme der Schwere der Sünde darstellen. Es folgt die Liste mit den neun Höllenkreisen, ihren Sündern und Strafen: 

  1. Kreis: Der Limbus, ein Ort, an dem die Gerechten der Heidenheit auf das jüngste Gericht warten ohne die Strafen der Hölle befürchten zu müssen.
  2. Kreis: Die Sünder der Wollust, die von furchtbaren Orkanen gepeitscht werden.
  3. Kreis: Von kaltem Regen überschauert, schleppen sich die Sünder der Völlerei durch Kot.
  4. Kreis: Die Geizigen und Verschwender wälzen heulend Steinlasten.
  5. Kreis: Der fünfte Höllenkreis wird durch den Stygischen Sumpf gebildet, in dessen stinkenden Wassern die Zornigen einander zerfleischen.
  6. Kreis: Ketzer liegen in feurigen Gräbern.
  7. Kreis: Verschiedene Art Gewalttätiger.
  8. Kreis: Verschiedene Art Betrüger.
  9. Kreis: Verschiedene Art Verräter. Die drei größten Verräter und Sünder, Judas, Brutus und Cassius, werden jeweils in einem der drei Münder Luzifers auf ewig zerfleischt.

13. Der Unterschied zwischen Inferno und Purgatorio

Sowohl in der Hölle als auch im Fegefeuer befinden sich Menschen (bzw. Seelen von Menschen), die gesündigt haben. Wo ist denn der Unterschied zwischen diesen beiden Reichen?

In der Hölle sind diejenigen, die versucht haben, ihre Sünden zu rechtfertigen und die nicht reuig sind. Sie werden für alle Ewigkeit bestraft und haben keine Möglichkeit der Erlösung

Menschen, die gesündigt haben, aber vor ihrem Tod um Vergebung gebeten haben, finden sich nicht in der Hölle, sondern im Fegefeuer, wo sie sich abmühen, um von ihren Sünden frei zu kommen

14. Dantes drei Führer

Dantes jenseitige Reise bedarf der Unterstützung eines Führers, da der Protagonist den durch die Sünde verlorenen Menschen repräsentiert und daher nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft den richtigen Weg zu finden. 

Virgilio (Inferno, Purgatorio)

Für die Reise durch die Hölle und auf den Berg des Fegefeuers ist der Führer Virgil, der antike lateinische Dichter und Autor der Aeneis. Obwohl er ein Heide war, repräsentiert er aufgrund des hohen moralischen Wertes seiner Dichtung die natürliche Weisheit und die Vernunft.

Beatrice (Cieli del Paradiso)

Beatrice ist die engelsgleiche Frau, in die Dante in seiner Jugend verliebt war: jetzt, da sie selig geworden ist, strahlt sie mit einem Licht, das sie unsagbar schön macht. Beatrice lässt ihn mit der Kraft einer Liebe, die der Abglanz der göttlichen Liebe ist, durch die Himmel aufsteigen. Beatrice repräsentiert die Anmut des Glaubens, die Theologie, und dadurch die Unmöglichkeit für den Menschen, Gott durch die alleinigen Mittel der menschlichen Vernunft (Virgil) zu erreichen.

San Bernardo (Empireo)

Die Rolle des Führers übernimmt im letzten Abschnitt der Reise der heilige Bernhard. Er hat sein Leben der Kontemplation (Beschaulichkeit) gewidmet und scheint deswegen besonders geeignet, Dante zu unterstützen, als er in direkte Verbindung mit Gott tritt. Das symbolisiert, dass der Glaube (Beatrice) alleine nicht ausreicht, um zur Gegenwart Gottes aufzusteigen. Sie kann nur durch die mystische Kontemplation (Heiliger Bernhard) erreicht werden.

15. Alle Cantiche enden mit den Sternen

Alle drei Cantiche (Inferno, Purgatorio und Paradiso) enden mit dem Wort stelle!

dante
Gustav Doré, Illustration für Dantes Göttliche Komödie.
 

Lese Dantes Divina Commedia!

Möchtest du Dantes Göttliche Komödie lesen? Es gibt ganz viele Bücher und Edition der Komödie, manche ganz hübsche mit Illustrationen. Hier findest du eine bilinguale Version als kostenloses PDF.

Begleite Dante auf seine Reise!

Mit diesem sehr schönen, animierten Video kannst du Dante auf seine Reise begleiten. Buona visione!  

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